Führt dortmunder Fehlplanung zur Eskalation?

Die Planung am Phoenixsee hat nicht zu einem harmonischen Miteinander zwischen Rad- und Fußverkehr geführt sondern trägt neben der Masse auch durch planerische Entscheidungen zu Konflikten bei. Hat dies seinen Beitrag dazu geleistet, dass am Sonntag (22. Januar) gegen 14 Uhr ein Fußgänger nach einem Zusammenstoß mit einem Radfahrer nach Zeugenaussagen meinte, den gestürzten und verletzten Radfahrer könne man so liegen lassen? In der Pressemitteilung der Polizei heißt es:

Ersten Erkenntnissen zufolge kam es kurz vor dem Unfallgeschehen zu einer verbalen Auseinandersetzung, zwischen dem in der Folge verunfallten Radfahrer und zwei Fußgängern. Während dieses Wortwechsels in der Vorbeifahrt übersah der Radfahrer einen ihm entgegen kommenden Fußgänger. Im Anschluss an den Zusammenstoß stürzte der Radfahrer auf den Asphalt und blieb benommen liegen.

Zeugen, die den flüchtigen Passant (männlich, 187cm groß, korpulente Statur, ca. 45 Jahre alt mit dunkler Wintermütze und Jeans sowie eine hellgraue Jacke) kennen, mögen sich bei der Polizei melden.

Sich beim Radfahren mit Fußgänger*innen zoffen und nicht darauf zu achten, wo man hin fährt, ist keine gute Idee, sodass der Radfahrer vermutlich den Unfall verursacht hat. Das ist aber noch kein Grund, ihn verletzt liegen zu lassen.

Uns würde ja interessieren, ob der ursprüngliche Konflikt infrastrukturinduziert war.

Ergänzung 10.02.2017 04:04

Ein ähnlicher Unfall hat sich in Witten ereignet.

In Höhe der Jahnstraße trat nach Angaben von Zeugen plötzlich ein älterer Mann unvermittelt auf die Fahrbahn. Nach dem Zusammenstoß überschlug sich der Radfahrer und stürzte, wie der Senior auch, auf die Fahrbahn. Dort blieb der Radfahrer, der einen Helm trug, zunächst regungslos liegen. Der aus der Nase blutende Fußgänger stand wenig später wieder auf und entfernte sich von der Unfallstelle in Richtung Kesselstraße – ohne sich um den Radfahrer sowie die Schadensregulierung zu kümmern.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

4 Gedanken zu „Führt dortmunder Fehlplanung zur Eskalation?

  • 24.01.2017 um 11:30
    Permalink

    „Uns würde ja interessieren, ob der ursprüngliche Konflikt infrastrukturinduziert war.“

    Ist das auf einem Abschnitt passiert, wo für die Fussgänger so ein geschotterter Zustand vorgesehen worden ist und für Radfahrer die asphaltierte Fläche? Falls ja, hätte ich bei der Meldung auch einen gewissen Verdacht was die Ursachen für Konfliktentstehung angeht.

    Antwort
    • 24.01.2017 um 22:21
      Permalink

      Selbst wenn es nicht da war oder im gemeinsamen Gehweg-Radfahrer frei-Bereich, sind alle Leute da ja von den Konflikten geprägt.

      Antwort
      • 25.01.2017 um 10:35
        Permalink

        „oder im gemeinsamen Gehweg-Radfahrer frei-Bereich, “

        Ja-ein. Auf Mehrzweckwegen mit dem Zeichen 240 gelten etwas andere Verhaltensregeln, was die Gemeinsamkeit von Fussgängern mit Radfahrern angeht. Auf einem klar als Radweg ausgewiesenem Weg haben die Radfahrer Vorrang, auf dem Kombinationsweg aber nicht, also nicht in vergleichbarer Weise. Wobei Vorrang auch nicht bedeutet Fussgänger bedrängen oder gar gefährden zu dürfen, auch wenn der Fussgänger sich dort widerrechtlich aufhält und bewegt.

        Dazu fällt mir noch ein, es gibt zwar die Owi Radfahren auf dem Gehweg und das kostet auch, aber gibt es auch die Owi Latschen auf dem Radweg?

        Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.