Breaking News: Dortmund verliert Radfahr- und Fußgängerbeauftragten

Gut ein Jahr nach Antritt der Stelle hat der Stellinhaber nun gekündigt, wie sowohl aus den Führungskreisen der Stadt als auch gewöhnlich gut informierten Kreisen zu erfahren ist. In wenigen Wochen wird die Stelle also verweist sein. VeloCityRuhr.Net berichtet, sobald nähere Fakten bekannt sind. Aktuell kann über den weiteren Verlauf genauso viel spekuliert werden, wie über die Präsidentschaft eines gewissen Donald Trump aus einer irrelevanten TV-Show. Man kann es aber auch sein lassen. :-) Ob dies der Weckruf ist, dass die Stelle bei der Neuausschreibung mit ausreichenden personellen Ressourcen ausgestattet werden muss und ausreichend institutionell eingebunden sein muss?

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

4 Gedanken zu „Breaking News: Dortmund verliert Radfahr- und Fußgängerbeauftragten

  • 16.11.2016 um 13:57
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    Mal eine auf den ersten ‚Blick‘ blöd erscheinende Frage:
    Wozu muss es überhaupt solch eine Stelle geben? Wenn die Position dann für rein gar nichts gut ist, ausser vielleicht 3-4x im Jahr einen inhaltsschwachen Bericht veröffentlichen zu „dürfen“ (müssen)?

    Hat das vielleicht mit der Mitgliedschaft in der AGFS zu tun? In Hamm wird diese Stelle meines Wissens von der ersten Stunde der AGFS an von derselben Person besetzt, die sinnigerweise auch laaaange Jahre im Vorstand des örtlichen ADFC (Marke zahnloses Kätzchen) aktiv war. Ein Posten von dessen Existenz in meiner Stadt, ich erst vor etwa 3 Jahren erfahren habe, was ein Hinweis auf „Präsenz“ dieser Stelle im radverkehrlichen Einerlei sein mag.
    Seitdem achte ich etwas mehr auf das was von der Stadt kommt und ja, vielleicht so sechsmal pro Jahr tritt diese Stelle in Erscheinung, wenn es um die Vorstellung von ein paar wenigen Aktionen wie Stadtradeln und „Sattelfest“ (Fahrradtag Massenbespaßung auf gesperrten Stra0en) geht, oder auch mal etwas Lobhudelei wie toll doch alles so sei.
    Bei der letzten Lobhudelei für den Stadtteil in dem ich wohne, wurde natürlich wieder betont wie wahnsinnig viel doch getan worden wäre und als Beleg für die gewagte Behauptung zeigt das Foto dann ein Posieren vor einer 17 Jahre (!!!) alten Maßnahme, welche mit recht wenig baulichem Aufwand und ohne irgendetwas wirkilch zu verändern, einst eingerichtet worden ist.

    Die Dame ist Verkehrsplanerin. Ich habe noch nie von irgendeiner kritischen Äußerung aus ihrer Richtung gehört, jedoch finden sich massenhaft halbgare und schlecht gemachte neue Radverkehrsanlagen. Und als ich zuletzt bei der Stadtseite nach einer Kontaktmöglichkeit suchte, ich habe es eben mal wiederholt, erhielt ich folgendes Ergbenis:
    Suche nach fahrradbeauftragte.
    Suchergebnisse: fahrradbeauftragte : 0

    Alibi Pöstchen. Macht man halt so nebenbei und es geht ja auch nur um rudimentäre Öffentlichkeitsarbeit. Darf halt nichts und niemandem weh tun. Daher sollte Dortmund vielleicht jemanden in der Verwaltung diesen Posten als „good will“ Aktion mit weihnachtlicher Sonderbelobigung ans Bein heften. Dann wird da auch nicht einfach so wieder gekündigt.

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    • 16.11.2016 um 15:22
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      Es kommt doch auch ganz stark darauf an, in welche Richtung die Arbeit gehen soll. Das wird in den Städten nicht einheitlich gehandhabt. Teilweise sind die „Fahrradbeauftragten“ echte Planer, teilweise normale Verwaltungsleute, teilweise irgendetwas anderes. In einigen Städten ist die Arbeit ganz nach innen ausgerichtet, dann soll z.B. vornehmlich geplant werden. In anderen Städten geht es nur um die Außenwirksamkeit und in wieder anderen sowohl um die Koordinierung innerhalb der Verwaltung als auch um die Kommunikation nach außen (das ist z.B. in Bochum so). Ein Großteil der Arbeit wird dabei nicht außen sichtbar – Abstimmungen, Koordinierungen, Planungen, Einzelfragen, Beseitigung von Schadstellen usw. bekommt man außen nicht mit. Wenn irgendetwas draußen verkündet werden kann, dann gab es dafür in aller Regel intern schon einen längeren Vorlauf und eine Abstimmung mit betroffenen Verwaltungsbereichen und/oder der Polizei.

      Ganz pauschal kann man die Frage also nicht beantworten. Vieles hängt eben davon ab, was die Aufgabe ist und wie sehr die Funktion in der Verwaltung verankert ist, wieviel Rückhalt und Unterstützung aus dem Umfeld innerhalb und außerhalb der Verwaltung existiert, was politischer Konsens ist, inwieweit die Verwaltungsspitze selber fahrradfreundlich agiert usw. Letzten Endes kann auch eine fachlich hochkompetente Person alleine wenig ausrichten, wenn das Umfeld nicht stimmt.

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      • 16.11.2016 um 20:55
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        Das ist alles richtig Matthias. Es kommt eben darauf an, was mit den Möglichkeiten, die sich aus solch einer Postenbezeichnung ergeben können, angefangen wird: konstrukive oder destruktive Arbeit.

        Für die Arbeit nach innen braucht es aber doch keine „beauftragte Person“ als solches, da ist allein schon der Begriff in sich genommen dagegen. Nein, wenn ich als Stadt einen oder eine Fahrradbeauftragte habe und dies nicht bloß, weil es in den Regularien eines Lobbyvereins steht, dann muss ich zusehen Synergieeffekte zu erzielen und das setzt schonmal das Verständnis dieses (Zwangs)Postens als Kommunikationsschnittstelle zwischen Bürgern und Verwaltung voraus. Ferner ist sehr sinnvoll, wenn diese Person dann auch ein Grundverständnis für Verwaltungsvorgänge mitbringt.

        Wenn ich solch einen Posten aber allein für etwas billige öffentliche Verkündungen benutze, oder besser gesagt missbrauche und ansonsten mehr oder weniger systematisch aus allen findungs- und Entscheidungsvorgängen in der Verwaltung heraus halte, dann sollte dieser Posten besser direkt komplett eingespart werden, weil das kann in seiner Gesamtwirkung nicht konstruktiv wirken.

        Für mich als Aussenstehenden ist jede Stadtverwaltung, was fahrradspezifische Belange angeht, erstmal und meist auch noch danach, so ein verrücktes Haus wie bei Asterix in Rom. Sowas schreckt (wirksam ab) und be- oder verhindert sogar konstruktive Arbeit. In Hamm kann ich jedenfalls nur marginale punktuelle Winzigverbesserungen erkennen, aber der Normalfall ist, daß wenn Radverkehrsanlagen neu angelegt oder renoviert werden, dabei unter dem Strich nichts wirklich besseres und sicheres herauskommt. Was der genaue Grund dafür ist, vermag ich nicht abschließend zu bewerten, ich kann da nur raten. Raten anhand der von aussen erkennbaren Darstellungen. Und das sagt mir da arbeiten je Menge Leute aneinander vorbei, die Politik pfuscht dauernd dazwischen und letztendlich kommen immer nur halbgare Lösungen heraus, oder anders ausgedrückt: Das Kind wird mit dem Bade oft genug direkt mit ausgeschüttet.

        Was wir alle brauchen sind vernünftige Konzepte wo die vielfältigen Belangen Hand in Hand gehen, sich ergänzen und eben nicht gegenseitig behindern. Lösungen die keine Geldmittel verschwenden und weitsichtig und langfristig zukunftsorientiert sind. Man kann nicht alle 10 Jahre mal eben die Infrastruktur neu umbauen. Und daher braucht man die Zusammenarbeit Aller und hier denke ich v.a. auch an sogenannte Querdenker, die, wenn deren Ideen und Anregungen eben auch wahr- und v.a. ernstgenommen werden, verhindern helfen, daß alte eingefahrene Denkstrukturen der Verwaltung nicht zu den immergleichen Fehlern führen.

        Für den Radverkehr von Morgen sind Fahrradbeauftragte daher sehr sinnvolle Posten, wenn sie mit guten Leuten besetzt werden und diese Leute nach aussen gut erreichbar sind und nach innen auch konstruktiv in Verwaltungsprozedere mit eigeflochten werden.

        Wenn ich mir die Vielzahl von Kommunen (die in der AGFS Mitglied sind) anschaue, wo in Sachen Radwege nur oder überwiegend ein totales und gefährliches Tohuwabohu veranstaltet wird (z.B. Beckum), dann ahne ich nichts Gutes für die nächste Zukunft.

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        • 17.11.2016 um 0:08
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          Die Handelskammer Hamburg bringt das Problem auf den Punkt:

          Bei der Verbesserung der Erreichbarkeit im Radverkehr müssen die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden – die der Pkw-Kunden, des Wirtschaftsverkehrs und der Fußgänger.

          Das gilt – und das muss man sich mitdenken – natürlich umgekehrt nicht, oder hat jemals irgendwo etwas gestanden wie:

          Bei der Planung des Autoverkehrs müssen die Interessen aller Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden – die der Rafahrer*innen und der Fußgänger*
          innen.

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