Auto-Korrektur–Motive aus Potsdam

Etwa 130 Eis am Stiel wurden an Radler, Tram- und Busnutzer u. a. von Oberbürgermeister Jann Jakobs verteilt. (Foto LHP/ Robert Schnabe)
Etwa 130 Eis am Stiel wurden an Radler, Tram- und Busnutzer u. a. von Oberbürgermeister Jann Jakobs verteilt. (Foto LHP/ Robert Schnabe)

Die Agentur tippingpoints verantwortet neben der positiv rezipierten osnabrücker Kampagne (hier, hier, hier) auch eine umfassende Mobilitätskampagne für die Stadt Potsdam „Besser Mobil. Besser leben.“, die auf mehrere Jahre ausgelegt ist. Ein Teil davon ist das Motto Auto-Korrektur (siehe Gallerie). Auf humorvolle Weise wird gezeigt, wie klein der Unterschied ist. Die Kampagne regt ohne Zeigefinger dazu an, alltägliche Gewohnheiten zu korrigieren.

Wir berichten auch über Städte außerhalb des Ruhrgebiets, wenn die Ruhrgebietsstädte von diesen lernen könnten. Im Ruhrgebiet warten wir z. B. noch darauf, dass ausreichend Geld in die Hand genommen wird für notwendige Kampagnen, anstatt Kampagnen in den Sand zu setzen.


Die Stadt selber hat ein klares Ziel bei der Kampagne:

Dabei steht die Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger im Vordergrund: Es geht nicht darum in Schwarz oder Weiß zu denken, sondern um viel mehr. Wir möchten mit den Potsdamerinnen und Potsdamern diskutieren, wie man gesünder, besser sozial vernetzt und umweltschonender mobil sein kann. Es zählt jeder Weg, ob zur Post, zur Arbeit oder zum Einkaufen. Gemeinsam wollen wir die Lebensqualität verbessern – für die heutige Bevölkerung und vor allem für nachfolgende Generationen.

Norman Niehoff, Bereichsleiter Verkehrsentwicklung, führt dazu aus:

Wir wollen die Potsdamerinnen und Potsdamer anregen, über die tägliche Verkehrsmittelwahl nachzudenken und dabei Möglichkeiten und Optionen aufzeigen. Insbesondere für kürzere Wege innerhalb der Stadt, die nicht unbedingt mit dem eigenen Auto zurückgelegt werden müssen,  werden wir verstärkt für die Nutzung nachhaltiger Verkehrsmittel, also für die Verkehrsmittel des Umweltverbundes, werben.

Gut ist auch die Einbindung der Bevölkerung, die Ideen für Motive einbringen konnte. Zu der Kampagne gehörte auch  eine Dankeschönaktion, wie es in Dortmund dieses Jahr auch eine gab. In Potsdam war selbstverständlich auch der OB dabei.

Inwieweit die Ankündigung stimmt, dass die Kampagne mit durch vielfältige Infrastrukturmaßnahmen verknüpft ist, können wir nicht überprüfen, aber es ist auf jeden Fall der richtige Ansatz. Die am stärksten genutzte Strecke ist der Bereich von der Langen Brücke bis zum Landtag zwischen Babelsberger Straße und Steubenplatz. Dort sind bis zu 10.000 Radfahrenden pro Tag unterwegs. An der Stelle der dortmunder Dankeschönaktion sind es bis zu.1600 am Tag1 . Ob sich der Unterschied daraus erklärt, dass Potsdam 1,6 Mio. € (2016) im Jahr für den Radverkehr ausgibt? Bei 167 505 Einwohnern (2015) sind das 9,55 € pro Einwohner*in. In der Nachbarstadt Berlin standen 2015 gerade mal ca. 4 € je Einwohner*in zur Verfügung. Der nationale Radverkehrsplan geht von mindestens 8 € aus bei Städten.2

Update 03.11.2016 17:59

Während aus der Verwaltung Dortmund bis heute nichts zu hören ist zu dem, was hier geschrieben wird (was das wohl über den Stellenwert des Radverkehrs aussagt …), tauchen im E-Mail-Postfach und in den Kommentaren schon mal andere Stadtverwaltungen auf. Auch in Potsdam interessiert man sich dafür, was wir hier so meinen und sagen. Das freut uns natürlich.

Im Kern wollte ich mit »Inwieweit die Ankündigung stimmt, dass die Kampagne mit durch vielfältige Infrastrukturmaßnahmen verknüpft ist, können wir nicht überprüfen-« nur sagen, dass mir die Ortskenntnis fehlt um die Aussagen einordnen zu können in den lokalen Kontext. Es soll ja manchmal eine Differenz zwischen Selbstbeschreibung und Außenwahrnehmung geben. Von der Stadt Dortmund hört man ja auch regelmäßig, was sie angeblich so tolles tut. Das hat mich grundsätzlich skeptisch gemacht. Ich wollte nicht sagen, dass dort nichts passiert. Alleine die Kampagne ist ja schon etwas, das wir im Ruhrgebiet als großen Fortschritt begrüßen würden. Von dort bekam ich ein dickes Paket aktuelle Pressemitteilungen dazu, was man in Potsdam alles angegangen ist in letzter Zeit, um zu zeigen, dass dort wirklich etwas passiert. Zwei Beispiele:

  • Wie in Bochum ruft man dort zur Teilnahme am Fahrradklimatest auf, um Feedback zu bekommen.
  • Es gibt aber auch infrastrukturelle Maßnahmen: Zwischen Schlaatz und Drewitz wird gerade ein 1 km langer asphaltierter und beleuchteter Radweg gebaut mit dem Ziel der ganzjährigen Nutzbarkeit. Die Stadt lässt sich den Lückenschluss das 450.000 Euro kosten. Vergleichbares fällt mir außer den der Freizeitförderung folgenden Umbau von Bahntrassen und Fluß- bzw. Kanalbetriebs für die Region hier nicht ein.

Falls jemand Ortskenntnisse hat, freuen wir uns über einen Beitrag. :-) Außerdem heißt es aus der Verwaltung:

Wir dokumentieren auch alle Entwicklungen/Investitionen, aber auch wichtige Informationen zur Mobilität auf unserer Homepage (www.potsdam.de und insbesondere www.potsdam.de/besser-mobil-besser-leben), auf Facebook (http://facebook.com/Potsdam.de) oder auf unserem Twitter-Profil (http://twitter.com/lh_potsdam #bessermobil).

Hätte ich hier auch gerne so.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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