Verschlechterung der Radverkehrssituation ausgezeichnet

Das Dortmunder Unternehmen WILO war beim bundesweiten Modellprojekts „Mobil.Pro.Fit. von  B.A.U.M. e.V. (Bundesdeutscher Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management) dabei und wurde zum Abschluss von Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks ausgezeichnet.

Der Pumpenhersteller WILO SE nutzt die Erweiterung des Firmengeländes am Hauptsitz in Dortmund und hat einen Mobilitätsplan erarbeitet. Wilo investiert zum Beispiel in eine „Wilo-Bushaltestelle“ und bezuschusst das Jobticket. Neue Parkplätze erhalten solar-gespeiste Elektroladesäulen für Räder und Autos. Zudem wurde eine Verleihstation von „Metropolrad-Ruhr“ eingerichtet, die die Mitarbeiter kostenlos nutzen können, um die nahegelegenen S- und Stadtbahnhaltepunkte zu erreichen.

Das sind natürlich alles sinnvolle Bausteine (meine E-Auto-Skepzis mal beiseite gelassen), aber von der Metropolradstation abgesehen, ist das alles nicht besonders innovativ. Bei einem Modellprojekt würde ich da mehr erwarten. Einen eigenen Blick sollte man der Haltestelle widmen. Vor Ort war sicherlich keiner, um sich diese Bushaltestelle anzuschauen. Es gab vorher ein Wartehäuschen auf jeder Seite und man kam mit dem Fahrrad dran vorbei, so wie es jetzt noch an der Haltestelle Pferdebachtal ist.

(Foto: Peter Maier)
(Foto: Peter Maier)

Für WILO wurde die Haltestelle Nortkirchenstraße nach Osten verlagert, sodass Sie besser für Besucher*innen und Mitarbeiter*innen liegt. Dabei wurde sie in Wilo umbenannt.1 Auch das ist klassische PR von Firmen und verändert am Mobilitätsverhalten von Besucher*innen und Mitarbeiter*innen noch nichts.

In Fahrtrichtung Osten stellt sich die Situation noch halbwegs problemlos da und über das Haltestellen-Design lässt sich sicherlich streiten.

(Foto: Peter Maier)
(Foto: Peter Maier)

Bei der neuen Haltestelle müssen die Radfahrer*innen auf der Nordseite in Fahrtrichtung Westen nun mitten durch die Bushaltestelle. Dabei versperrt ein Masten den Blick auf Fahrgäste und muss umfahren werden. Nach Beschwerden über die Lücke gibt es inzwischen Markierungen, die an der Situation aber nur marginal etwas verbessern.

(Foto: Karl-Heinz Kibowski)
(Foto: Karl-Heinz Kibowski)
(Foto: Karl-Heinz Kibowski)
(Foto: Karl-Heinz Kibowski)

Was daran preiswürdig ist? Man weiß es nicht. Hier wurde schließlich die Situation für den Radverkehr verschlechtert und eine Gefahrenstelle geschaffen.

1 Nachdem es dies jahrelang nicht mehr gab, ist das meines Wissens nach, die erste Haltestelle, die nach einer privaten Firma benannt ist.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

6 Gedanken zu „Verschlechterung der Radverkehrssituation ausgezeichnet

  • 14.10.2016 um 17:44
    Permalink

    Das ist eine marginale Verschlechterung von 4- auf 5. Der gesamte Radweg entlang der Nortkirchenstraße ist ein unerträglicher schmaler Plattenradweg. Der im übrigen weiter unten vor dem BMW-Haus auch gerade wieder gegen alle geltenden Regeln (Stand der Technik ist in NRW verpflichtend einzuhalten!) bei Neubau der Straße illegal fortgeführt wird. Wenn das mein täglicher Arbeitsweg wäre, hätte ich bereits geklagt. Einer der schlechtesten Radwege in DO, und das auch ohne die Situation vor dem Wilo-Werk.

    Antwort
    • 14.10.2016 um 18:36
      Permalink

      Darin, dass der Radweg kein Vorzeige-Radweg war und ist, sind wir uns ja einig. Ich fände auch eine Verschlechterung von 1,0 auf 1,3 ebenso nicht preiswürdig.

      Der im übrigen weiter unten vor dem BMW-Haus auch gerade wieder gegen alle geltenden Regeln (Stand der Technik ist in NRW verpflichtend einzuhalten!) bei Neubau der Straße illegal fortgeführt wird.

      Was ich vor ein paar Wochen dort sah, entsprach alles den aktuellen Standards der Stadt Dortmund. Stell dir die Verwirrung vor, es gäbe plötzlich wirklich gute Radbedingungen. Für diese Verwirrung will keiner die Verantwortung übernehmen in Opel-Ost.

      Einer der schlechtesten Radwege in DO

      Also da finde ich Wall, Bornstraße und Co. deutlich schlimmer.

      Antwort
  • 14.10.2016 um 22:54
    Permalink

    In Dortmund gibt es einige hervorragende bis ganz okaye Radstreifen. Auch diverse Straßen, die einen Schutzstreifen bekommen haben, die vorher völlig miese Bürgersteigradwege hatten. Vor allem hier im Nordwesten werden die auch angenommen und man sieht erstmals wirklich bei jeder Fahrt auch andere Radfahrer. Das ist alles besser als dieser elende Rückfall in 80er Jahre Rüttelwege „Standard“. Mich ärgert das jedes Mal, wie dort weiterhin an Radfahrverhinderung gearbeitet wird. Meist völlig unnötig, weil genügend Platz für vernünftige Lösungen vorhanden wäre. Siehe ewiges Ärgernis Autobahnauffahrt TU/Schnettkerbrücke.

    Antwort
    • 15.10.2016 um 0:21
      Permalink

      Vielleicht sollte ich von Alltagsradler auf Radtourist im Nordwesten von DO umschwenken. ;-)

      Antwort
  • 15.10.2016 um 18:30
    Permalink

    Im Bereich des Wartehäuschens sehe ich keinen Radweg, sondern einen reinen Gehweg, den Radfahrer nicht befahren dürfen – wenn nicht ein Schild dieses erlaubt. Ansonsten müssen Radfahrer dort nun auf der Fahrbahn radeln.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.