Zwei verletzte Radfahrerinnen und ein getöteter Radfahrer im Kreis Recklinghausen am Montag

Am Montag gab es allein in Kreis Recklinghausen zwei verletzte Radfahrerinnen und ein getöteter Radfahrer. Entgegen dem subjektiven Sicherheitsempfinden, fanden alle drei Unfälle auf Radwegen statt. Und in allen Fällen scheint nicht richtig aufgepasst worden zu sein.

  • 13.45 Uhr: Eine Radfahrerin fährt in Dorsten aus einer Hausfahrt und verletzt dabei eine Radfahrerin auf dem Radweg, die ins Krankenhaus musste.
  • 14.15 Uhr: Eine Radfahrerin wird in Datteln von einer Autofahrerin angefahren, als diese über den Radweg hinweg auf ein Tankstellengelände fahren will.
  • 17.25 Uhr: Ein LKW-Fahrer achtet in Recklinghausen beim Abbiegen nicht auf Radfahrer*innen auf dem Radweg und tötet dabei einen Radfahrer. Ob der LKW-Fahrer sich anders verhalten hätte, wäre der Radfahrer nicht als Geisterradler unterwegs gewesen? Einen von vorne kommenden Geisterradler sollte besser zu sehen sein, als ein Radler neben einem, der schnell im blinden Winkel „verschwinden“ kann. Trotzdem suggeriert die Polizei, dass das Geisterradeln das eigentlich gefährlich sei und nicht der womöglich unvorsichtige LKW-Fahrer.

Radfahren ist sicher. Daher verzichten wir auf Blaulichtberichte in der Regel, damit kein Zerrbild entsteht. Zeigen sich an einzelnen Unfällen grundlegende Dinge, berichten wir dann doch.

Es gibt eine Fortsetzung zu dem in den Kommentaren diskutierten Fall. (01.10.2016)

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

6 Gedanken zu „Zwei verletzte Radfahrerinnen und ein getöteter Radfahrer im Kreis Recklinghausen am Montag

  • 22.09.2016 um 8:48
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    „Einen von vorne kommenden Geisterradler sollte besser zu sehen sein, als ein Radler neben einem, der schnell im blinden Winkel „verschwinden“ kann. Trotzdem suggeriert die Polizei, dass das Geisterradeln das eigentlich gefährlich sei und nicht der womöglich unvorsichtige LKW-Fahrer.“

    Dies sehe ich anders. Ein abbiegender LKW-Fahrer wird zwar auch nach vorn blicken, im Moment des Abbiegens wird er sein Hauptaugenmerk jedoch auf den Rückspiegel legen, da er damit rechnet, dass ein Radfahrer oder Fußgänger neben ihm sein könnte. In diesem Augenblick ist es kaum möglich, gleichzeitig mit der selben Aufmerksamkeit den übrigen Verkehrsraum zu beobachten, insbesondere, da aus der Gegenrichtung kein Radfahrer kommen dürfte.

    Die Polizei suggeriert somit nicht, sondern gibt die Tatsachen wieder. Ich empfinde Ihre Formulierung somit als unsachlich.

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    • 23.09.2016 um 7:16
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      Ob es sich um einen Geisterradler handelt ist für mich, der die Unfallstelle nicht kennt, unklar. An vielen Stellen unserer Städte ist das gegenläufige Radeln erlaubt, in vielen Fällen sogar verpflichtend vorgeschrieben. Jetzt dem Opfer die Hauptschuld zuzuschieben ist ganz klar Victim Blaming.
      Als LKW-Fahrer habe ich die Verantwortung und weiß nicht, ob das Radeln in Gegenrichtung erlaubt ist oder nicht.
      Wenn der LKW-Fahrer beim Abbiegen überfordert ist, muss er sich einweisen lassen oder darf nicht ohne Beifahrer fahren.

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    • 29.09.2016 um 15:27
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      „Die Polizei suggeriert somit nicht, sondern gibt die Tatsachen wieder. Ich empfinde Ihre Formulierung somit als unsachlich.“

      Und wie unsachlich wäre es, wenn an der Stelle der Radweg in beiden Richtungen freigegeben wäre? Oder wenn von vorne ein 8-jähriges Kind angekommen wäre? Wäre es dann immer noch unsachlich?
      Es hilft wenn man in der REALITÄT bleibt und die sieht nunmal vor, daß man sich beim Abbiegen immer zu beiden Seiten absichert. Das die Polizei es nicht auf die Reihe bekommt ihre „fachlichen Einschätzungen“ an der Realität auszurichten, ist nichts Neues.

      Aber es ist egal der nun geisterradelnd ankam, oder erlaubterweise, denn es ändert nichts am Vergehen des Kfz-Führers. Da wird aber in Autoschland leben, ist das nicht so schlimm, denn ein Ablass für diese Art „kann_ ja_mal_passieren-OOPS!“ kostet hier meist so um die 5000 Euro und zieht kein Fahrverbot nach sich.

      Ja denn… weiter so! Und bloß nicht von der Realität ablenken lassen.

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    • 23.09.2016 um 8:14
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      Schlimm ist auch, dass sich die Radfahrer immer selbst verletzen.

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  • 29.09.2016 um 15:31
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    Ergänzend sei noch anzumerken, dass Kinder bis zum Alter von 8 Jahren Fußwege benutzen müssen, bis 10 Jahre dürfen sie es. Folgerichtig ist mit diesen auch immer bei jedem Abbiegevorgang aus der Geisterfahrerrichtung zu rechnen.
    Ich will damit das Geisterradeln nicht relativieren oder beschönigen. Im Gegenteil, ich halte es für einen der größten Fehler in der aktuell existierenden Verkehrsplanung. Aber es relativiert eben kein bisschen die Schuld des abbiegenden Kraftfahrzeugführers.

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