Stockumer Straße erhält Gehweg und Schutzstreifen

Die Stockumer Straße in Witten ist für den Kfz-Verkehr und den steigungstoleranten Radverkehr eine wichtige Verbindung zwischen Stockum und Annen (7500 Fahrzeuge pro Tag). Als Teil des Radverkehrsnetzes NRW verbindet sie das Zentrum von Witten mit Stockum und der Dortmunder Innenstadt und die Universität Witten/Herdecke mit der TU Dortmund. Künftig wird die Bedeutung der Strecke noch zunehmen, da sie eine von mehreren Anbindungen Wittens an den geplanten Radschnellweg Ruhr werden wird.

Grunderneuerung zwischen A44 und Ortseingang Stockum. (Karte CC-BY-SA )
Grunderneuerung zwischen A44 und Ortseingang Stockum. (Karte CC-BY-SA )

Bisher hat der fast anbaufreie Abschnitt zwischen Ortseingangsschild Stockum und der Brücke über die A44 keine Gehwege und keine Radverkehrsanlagen, obwohl er Teil des Radverkehrsnetzes NRW ist und auch in begrenztem Umfang als Schulweg für die südlich der A44 gelegene Waldorfschule dient. Die Fahrbahn ist schmal und in sehr schlechtem Zustand, so dass wegen der Straßenschäden Tempo 30 angeordnet ist.

Der Verkehrsausschuss der Stadt Witten beschloss nun die Grunderneuerung des Abschnitts.
Es soll ein einseitiger Gehweg mit einer Breite von 2,5m angelegt werden sowie Querungshilfen am Beginn und am Ende der Strecke. Die Fahrbahn soll auf 7,5m verbreitert werden, und zwar mit einer Kernfahrbahn von 4,5m und beidseitigen Schutzstreifen in der Regelbreite von 1,5m. Voraussetzung ist die Bereitstellung der erforderlichen Mittel von 1,25 Millionen € im Haushaltsplan 2017.

Verkehrsberuhigung in Witten. (Foto: Peter Maier)
Verkehrsberuhigung in Witten. (Foto: Peter Maier)

Der nördliche Abschnitt zwischen Ortseingangsschild Stockum und Pferdebachstraße, der ebenfalls in schlechtem Zustand ist, soll nicht saniert werden.

Die Planungen für den südlichen Abschnitt entsprechen den Empfehlungen zum Bau von Radverkehrsanlagen. Schutzstreifen in Regelbreite ohne Längsparker sind wesentlich besser befahrbar als viele der Grausamkeiten, die es im Bestand gibt. Auch das Ende der Schutzstreifen vor den Querungsstellen ist besser gelöst als die oft im Bestand zu findende Konfliktmaßnahme der Fortführung eines schmalen Streifchens durch eine viel zu schmale Engstelle. Mit anderen Worten: Hätten alle Schutzstreifen im Bestand die Qualität der vorliegenden Planungen, wären wir schon einen sehr großen Schritt weiter.

Wenn man aber ernsthaft an einem höheren Radverkehrsanteil interessiert ist, ist diese Planung nicht gut genug. Bei einer 4,5m breiten Kernfahrbahn werden Radfahrer trotz Gegenverkehrs überholt werden. Wegen der geringen Breite der Kernfahrbahn fährt das überholende Kfz dabei direkt an oder auf der Linie des Schutzstreifens. Der Schutzstreifen ist 150cm breit, dem Radfahrer bleiben bei einer eigenen Breite von 60cm also noch insgesamt 90cm Sicherheitsabstand für die linke und rechte Seite. Egal, wie man diese 90cm verteilt: Attraktive Bedingungen für Einsteiger, für Kinder, für Senioren und für die große Mehrheit mit geringer Blechtoleranz erreicht man keinesfalls. Das ist in diesem Fall besonders ärgerlich, weil es sich nicht um eine beengte Situation im Bestand handelt, sondern um eine Grunderneuerung auf freiem Feld, bei der die Fahrbahn ohnehin verbreitert wird. Eine etwas großzügigere Verbreiterung wäre also problemlos möglich gewesen. Bereits eine Schutzstreifenbreite von jeweils 175cm hätte einen deutlichen Unterschied gemacht.

Schmales Schutzstreifchen in Dortmund. Die nutzbare Breite wird durch den Gullydeckel nochmals deutlich verringert. (Foto: Peter Maier)
Schmales Schutzstreifchen in Dortmund. Die nutzbare Breite wird durch den Gullydeckel nochmals deutlich verringert. (Foto: Peter Maier)

Bleibt zu hoffen, dass zumindest die vorhandene Schutzstreifenbreite voll nutzbar sein wird und nicht durch Gullydeckel weiter eingeschränkt wird. Wie so etwas geht, kann man bei unseren westlichen Nachbarn sehen, die uns in diesem Punkt, wie so oft in Radverkehrsfragen, einen großen Schritt voraus sind. Da die Entwässerung im Rahmen der Grunderneuerung neu angelegt wird, würden durch eine niederländische Lösung auch keine Mehrkosten entstehen.

Abfluss ohne Einschränkung der nutzbaren Radwegbreite in den Niederlanden. (Foto mit freundlicher Erlaubnis von David Hembrow, A view from the cyclepath, CC-BY-NC-SA, Pfeil von Peter Maier)
Abfluss ohne Einschränkung der nutzbaren Radwegbreite in den Niederlanden. (Foto mit freundlicher Erlaubnis von David Hembrow, A view from the cyclepath, CC-BY-NC-SA, Pfeil von Peter Maier)

Damit keine Missverständnisse entstehen: Anlass für die Grunderneuerung der Strecke war nicht etwa die notwendige Verbesserung für den Fußverkehr (auf einem Schulweg!), sondern der schlechte Fahrbahnzustand.

„Da es sich um eine wichtige Sammelstraße handelt, über die auch Schul- und Linienbusse fahren, sollte eine Perspektive zu ihrer Sanierung dringend eröffnet werden. Als Holperstrecke ist sie mit ihren Unebenheiten für die Verkehrsteilnehmer eine Zumutung.“ (Beschlussvorschlag der Fraktionen SPD und CDU vom 17.06.2015 für den Verkehrsausschuss, der letztlich zur geplanten Grunderneuerung führte).

Für den Fußverkehr gab es dagegen keine Zumutung. Noch im Jahr 2011 stellte die Verwaltung zur Situation des Fußverkehrs fest: „Da keinerlei Handlungsbedarf gegeben und möglich ist, muss mit dieser nicht unüblichen Verkehrssituation einer fehlenden Gehwegführung weiterhin umgegangen werden.“ (Niederschrift über die 10.Sitzung des Ausschusses für Verkehr der Stadt Witten am 21.09.2011, TOP 9. Derzeit nicht abrufbar, Bildzitat hier).

Fazit: Der Kfz-Verkehr wird gefördert, für den Fuß- und Radverkehr fallen mit etwas Glück Krümel ab.

Schlaglochpiste ohne Geh- oder Radwege. (Foto: Peter Maier)
Schlaglochpiste ohne Geh- oder Radwege. (Foto: Peter Maier)

"Keinerlei Handlungsbedarf". Unversiegelter Gehweg in Schulwegqualität. (Foto: Peter Maier)
„Keinerlei Handlungsbedarf“. Unversiegelter Gehweg in Schulwegqualität. (Foto: Peter Maier)

Anbindung an den Bestand: In einem kurzen Abschnitt südlich der geplanten Grunderneuerung gibt es bereits luxuriöse Gehwege.  (Foto:  Peter Maier)
Anbindung an den Bestand: In einem kurzen Abschnitt südlich der geplanten Grunderneuerung gibt es bereits luxuriöse Gehwege. (Foto: Peter Maier)

Aus Richtung Annen kommen nur die steigungstoleranten Radfahrer, der Rest kommt über das NRW-Netz aus Richtung Zentrum. (Foto: Peter Maier)
Aus Richtung Annen kommen nur die steigungstoleranten Radfahrer, der Rest kommt über das NRW-Netz aus Richtung Zentrum. (Foto: Peter Maier)

Peter Maier

Peter Maier aus Dortmund, schreibt unter Pseudonym und mit der Absicht, auch von jenseits der Stadtgrenzen zu berichten. Interessiert sich für Infrastruktur und die Frage, wie man des Rad als Verkehrsmittel für die große Mehrheit attraktiv machen kann. Ist leider nicht in der Lage, mit Falschparkern auf Radverkehrsanlagen gelassen umzugehen.

4 Gedanken zu „Stockumer Straße erhält Gehweg und Schutzstreifen

  • 28.08.2016 um 15:06
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    Wenn man bei 1,75 wäre, könnte man gleich 1,85 nehmen und hätte einen Radfahrstreifen der nicht befahren werden darf. So wie es jetzt ist, dient der Schutzstreifen doch eher dem Schutz des Fahrbahnrandes, damit der nicht durch am Rand fahrende Fahrzeuge ausbricht.

    Warum endet der Schutzstreifen im Norden vor der Kreuzung?

    Man könnte eine Eingabe nach GO machen. Auf meine Eingabe vor einem halben Jahr habe ich nicht einmal eine Eingangsbestätigung bekommen.

    Antwort
    • 28.08.2016 um 15:19
      Permalink

      „Wenn man bei 1,75 wäre, könnte man gleich 1,85 nehmen und hätte einen Radfahrstreifen der nicht befahren werden darf. “

      Nein, so einfach ist das nicht. Da der Radfahrstreifen nicht befahren werden darf, muss die Fahrbahn Begegnungsverkehr LKW-LKW ermöglichen, also sehr viel breiter als 4,5m sein. Genau hier liegt meiner Meinung nach der einzig sinnvolle Einsatzzweck von Schutzstreifen: Etwa in der Breite eines Radfahrstreifens, aber platzsparender, weil die Kernfahrbahn schmal sein kann.

      „Eingabe nach GO“
      Ist in meiner Baustellensammlung.

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        • 28.08.2016 um 18:27
          Permalink

          Wenn die 1,7m zusätzliche Breite für Radfahrstreifen (1,0m Fahrbahn auf 5,5m, 70cm Streifen) durchsetzbar sind, nehme ich das jederzeit gerne. Wenn nicht, wären immerhin ohne größere Kosten mit lächerlichen 50cm schon deutliche Verbesserungen erreichbar.

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