Radroutenplaner für Alltagsradler: radlkarte.info

Der Radroutenplaner NRW ruht sich auf den Lorbeeren für die Vorreiterrolle aus und wird vom Handling immer weniger state-of-the-art mangels substanzieller Weiterentwicklung, wenn es auch immer mehr Detail-Funktionen gibt. Das Bundesland Salzburg (Österreich) hat z. B. ein sehr interessante Feature-Gruppe in seinen Radroutenplaner radlkarte.info integriert. Dort finden sich auch aktuelle Wetterinfos.

(Screenshot radlkarte.info)
(Screenshot radlkarte.info)

Hinter der Wolke befindet sich der Regenradar (grau=an, weiß = aus). Über einen Schieberegler kann man in fünf Minuten Schritten zwei Stunden zurück und zwei Stunden nach vorne gehen. Eine Autoplayfunktion für eine Simulation gibt es auch. Das ist ebenso praktisch wie die Anzeige der Regenintensität durch verschiedene Farben.

(Screenshot radlkarte.info)
(Screenshot radlkarte.info)

Ergänzt wird der Regenradar um eingebundene Wetterstationen, deren aktuellen Messwerte man auch abrufen kann.

(Screenshot radlkarte.info)
(Screenshot radlkarte.info)

Hinter dem Regenbogen verbirgt sich ein Link zu Wetterwarnungen und hinter dem Verkehrszeichen am Ende ein Link zu Infos zu den Prioritäten im Winterdienst der Stadt (!) Salzburg. Dort gibt es Infos, die ich versuche seit Monaten für Dortmund herauszufinden.

In der Routenplanung findet man die Möglichkeit zur Angabe einer eigenen Durchschnittsgeschwindigkeit wie bei anderen Routenplaner auch. Für den anderen Trend, gefahrene km in kcal anzugeben, kann man sein Gewicht eingeben. Nicht erkennbar ist, was die Bezugsgröße für das gesparte Geld ist. Bei der kürzesten Route ist das weniger als bei der empfohlenen, obwohl beide die gleiche Pkw-Fahrt (oder was?) ersetzen. Berechnet wird der Betrag über das amtliche km-Geld. Viel Interessant ist die Beta-Funktion für die Zusammenfassung bei Fahrtanweisung, die alle begrüßen dürften, die schon mal versucht haben mit einem Routenplaner-Ausdruck zu fahren. Neben den Wetterinfos spricht auch diese Funktion dafür, dass die Macher Ahnung von 365-Tage-Radverkehr haben.

(Screenshot radlkarte.info)
(Screenshot radlkarte.info)

Hinter der empfohlenen Route befindet sich einen an Sicherheitskriterien orientierte Routenplanung.

Bei der Auswahl der POI fällt auf, dass man gezielt Unistandorte auswählen kann. Das ist im Ruhrgebiet mit seinen Campusunis nicht wichtig, bei alten Unis mit dutzenden Standorten eine sehr sinnvolle Funktion. Man kann mit einem Klick auf den POI-Marker jeweils Infos abrufen.

(Screenshot radlkarte.info)
(Screenshot radlkarte.info)

Für den ortsunkundigen bleibt unklar, was sich hinter Radroutern verbirgt. Sind sie ausgeschildert und wenn ja wie? Sind das Routen für den Alltag oder für die Freizeit? Unklar bleibt auch, was Self-Service-Stationen sind. Dabei wäre ein Link auf die entsprechende Seite der Stadt Salzburg kein Problem. Dort findet man alle wichtigen Infos zu den seit 2000 errichteten Stationen:

Inzwischen stehen schon fast in allen Stadtteilen Self-Service-Stationen zur Verfügung. Bei drei der Stationen […] gibt es in der Nähe einen Schlauchautomaten. Die Rad-Self-Service-Stationen stehen kostenlos mit Werkzeug und – was besonders fein ist – Druckluft für do-it-yourself Reparaturen zur Verfügung.

Self-Service-Station (Foto: Stadt Salzburg/Johannes Killer)
Self-Service-Station (Foto: Stadt Salzburg/Johannes Killer)
Self-Service-Station (Foto: Stadt Salzburg/Johannes Killer)
Self-Service-Station (Foto: Stadt Salzburg/Johannes Killer)

Auf der Stadtwebseite gibt es auch viele weitere interessante Infos, z. B. zum Lasten- und Spezialradverleih der Stadt. Auch das Bundesland hat mit salzburgrad.at eine umfangreiche Webseite in aktuellem Design, auf der man ganz selbstverständlich auch auf die BikeKitchen hinweist. In NRW findet soetwas vermutlich in der Regel unter dem behördlichen Wahrnehmungsradar statt. Auch ist man da ehrlich:

Einige wichtige Lückenschlüsse sind allerdings noch ausständig bzw. es sind noch Abschnitte vorhanden, deren Qualität nicht dem Stand der Technik entspricht.

Auf der Seite gibt es auch eine Grafik zum Radinfrastrukturkonzept des Landes, das klar zwischen Freizeit und Alltag unterscheidet. Richtig toll finde ich, dass man dort etwas findet zu Differenzen zwischen Verwaltung und Autopolitik.

Diese Projekt wurde leider zurückgestellt. Von mehreren Abteilungen bei Stadt und Land Salzburg wurde ein zukunftsweisendes Projekt für den Hochwasserschutz beim Volksgarten erarbeitet. […] Mit dem Bau am Ignaz-Rieder-Kai auf Höhe Volksgarten war geplant, auch eine breite Promenade für Fußgänger und Radfahrer am Salzachufer zu errichten. Gleichzeitig sollte der Kfz-Verkehr einspurig mit vier Ausweichen auf die Parkseite verlegt werden. Politisch beschlossen wurde jedoch eine Variante mit zweispuriger Straße, bei der 40 Bäume gefällt werden müssten. Da dieses Projekt aber nicht bewilligungsfähig ist, gibt es derzeit Stillstand.

Kurz noch zurück zum salzburger Planer: GPS-Export, Permalink zur Route, die Möglichkeit, Alltagsnetz der Themenrouten zu bevorzugen, und der Wechsel des Karten-Layers sind Funktionen, die man in Salzburg vermisst, wenn man den NRW-Planer kennt. Auch bietet der der NRW-Planer auch noch eine weitere interessante Option.

(Screenshot radroutenplaner.nrw.de)
(Screenshot radroutenplaner.nrw.de)

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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