Hagen erfährt überregionale Aufmerksamkeit wegen miserabler Radverkehrsbedingungen

Die Webseite Hamburgize berichtet in einem längeren Bericht über Hagen und die Radverkehrsbedingungen dort.

Die Helmtragequote von nahezu einhundert Prozent drückt dementsprechend das Unsicherheitsgefühl der Radfahrer auf Hagens Straßen aus. An vier Tagen mit dem Rad im Hagener Straßenverkehr waren alle anderen Radfahrer behelmt, einige trugen zusätzlich auch noch Warnwesten.

Erst vor wenigen Tagen hatten auch wir kritisch über Hagen berichteten müssen.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

2 Gedanken zu „Hagen erfährt überregionale Aufmerksamkeit wegen miserabler Radverkehrsbedingungen

  • 26.05.2016 um 14:24
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    Die einhundert Prozent Helmtragequote halte ich für Unsinn. Ich habe heute mal gezählt und obwohl Feiertag ist und überwiegend Freizeitradler unterwegs sind, ist die Helmquote gerade mal bei 50 Prozent. Wochentags dürfte die Helmtragequote noch niedriger ausfallen, da überwiegend Freizeit- und Sportradfahrer einen Helm aufsetzen.

    Der Bericht auf Hamburgize ist mir zu einseitig negativ. In Bezug auf die schmalen Schutzstreifen hat er allerdings recht. Diese sind auf Druck, des schlechten Abschneidens beim ADFC-Ranking entstanden. Hierbei handelt es sich um eine „Verschlimmbesserung“. Allerdings haben Dortmund und Gevelsberg schon seit ein paar Jahren diese Schutzstreifen und jetzt will auch Hagen nachziehen.

    Mir fehlt im Bericht die Nennung der schwierigen Rahmenbedingungen in Hagen. Viele werden Hagen nicht kennen und sich wundern. Hagen gehört aber zu den Städten mit einer bergigen Topografie, ähnlich wie Wuppertal, Siegen oder Iserlohn. Die Wohngebiete liegen oft oben, viele Höhenmeter über der Innenstadt im Talkessel. Daher ist es nur verständlich, dass die Hagener auf Motoren zurückgegriffen haben, sei es mit Auto, Motorrad oder Motorroller. Das Fahrrad spielt eher im Freizeitbereich eine Rolle, wird aber auch im Alltagsverkehr immer beliebter. Man sieht inzwischen auch vermehrt Pedelecs.

    Die Hauptverkehrsstrecken liegen in den engen Flusstälern von Volme und Ennepe. Hier hat die Bahn einen großen Teil der Grundflächen belegt. Für den Straßenverkehr blieben oftmals nur noch schmale Restflächen zur Verfügung. So kann man nicht einfach etwas für 2 Meter breite Radwege oder Radstreifen abzwacken. Dazu müssten reguläre Fahrstreifen dem Radverkehr zugeschlagen werden. Das ist aber bei der derzeitigen Politik in D und einer Verkehrsbelastung von über vierzigtausend Fahrzeugen am Tag eher illusorisch. Nicht nur in Hagen, sondern auch in anderen Städten. Die Kochrezepte aus flachen Städten mit breiten Boulevards, wie in Berlin oder Hamburg funktionieren hier nicht.

    Allerdings gibt es auch Positives zu berichten und in den letzten Jahren bemüht man sich fahrradfreundlicher zu werden. So wurde die Fußgängerzone ab 19.00 Uhr und an Sonn- und Feiertagen zum Radfahren freigegeben. Auf den Bus-Trassen innerhalb der FuZo darf Rund um die Uhr geradelt werden und so kann man die Innenstadt autofrei durchqueren. Die Fußgängerzonen in den Stadtteilen Haspe und Hohenlimburg sind ganztägig zum Radfahren freigegeben. Auch viele Einbahnstraßen wurden in Gegenrichtung geöffnet und Benutzungspflichten wurden durch „Radfahrer frei“ ersetzt.

    Neue Brücken wurden mit hohen Geländern ausgestattet, damit Radfahrer hier fahren können.
    Der Klimamanager hat ein Projekt für eine Radstation am Hauptbahnhof gestartet. Die Stadt hat eine ehemalige Bahntrasse zwischen Wehringhausen und Haspe gekauft und diese in den Radwegeplan aufgenommen. Jetzt sucht man noch Fördergelder für dieses Projekt, denn die Stadt ist leider pleite, wie so viele Ruhrgebietsstädte. Eine bessere Finanzausstattung der Kommunen, würde auch den Radverkehr weiter nach vorne bringen.

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    • 27.05.2016 um 10:16
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      Danke für die Einordnung.

      Das Hagen jetzt auch eine Radstation bekommen soll, finde ich gut. Aber es ist doch komisch,. dass wie auf Bundesebene Radverkehr immer mehr zu einer Klimasache wird und keine Verkehrsplanerischen …

      Ich hätte als These eher formuliert, dass die Alltagsvielfahrer eher einen Helm tragen …

      Antwort

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