Wenn man grüne Farbe bekennen müsste, reicht es nicht mal für kalte Luft

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Nachdem ich  vorgestern  ein ersten Schreiben an die lokalen Parteien, auf das ich in den vergangen Monaten keine Antwort bekommen habe, veröffentlicht habe, heute ein weiteren Einblick darein, worüber ich mir Gedanken mache und wie weit das von der Dortmunder Großen Koalition entfernt ist. Dieses Schreiben ging an die Grünen, die sich ja angeblich total intensiv für den Rad- und Fußverkehr in Dortmund einsetzen.

Gegen Jahresende geht es ja wieder um das Verteilen von Restgeldern. Die Grünen setzten sich ja für den Radverkehr ein, so dass ich den Vorschlag machen möchte, sich für die vermutlich erste rund um die Uhr frei zugängliche Fahrradluftpumpe in Dortmund einzusetzen, wie es diese z. B. in Stuttgart am Rathaus gibt (s. http://adfc-blog.de/2014/12/rathaus/). Natürlich reicht es nicht, wenn es nur eine Luftpumpe im öffentlichen Raum gibt, aber einer muss anfangen und die Politik hat ja mit der Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW beschlossen, fahrrad- und fußverkehrsfreundlich zu werden. Daher sollte die Stadt auch exemplarisch voran gehen. Wenn es z. B. am Rathaus eine solche Pumpe gibt, kann man leichter private Eigentümer dazu animieren, dass auch umzusetzen, weil sie sehen, dass es am Rathaus funktioniert, wenn rund um die Uhr eine Luftpumpe zugänglich ist.
Ich hatte das auch für Dortmund vorgeschlagen und die Verwaltung befand das auch für gut und hatte sich auch schon das System Beta-Air von Orion Bausysteme (ca. 499,00 Stück. zzgl. Einbau, ca. 150,00 € Stück) ausgewählt, konnte das nun aufgrund der Haushaltslage nicht realisieren. Ansprechpartner ist Herr […] ([…]@stadtdo.de).
Vielleicht gibt es ja in der Fraktion Restgelder oder in einem Ausschuss für diesen Baustein einer fahrradfreundlichen Stadt.
Ich würde mich freuen, wenn die Grünen sich dem Vorschlag anschließen. Leider habe ich nicht die privaten Mittel, der Stadt die Pumpe zu schenken.

Manche glauben, dass die Luftpumpe extrem schnell kaputt wäre, und finden die Idee deshalb gut aber nicht praktikabel. Anderseits gibt es Städte wie Lörrach, in den es öffentliche Werkzeugständer gibt neben den Schließfächern für Radfahrer*innen:

(Foto: Norbert Paul)
(Foto: Norbert Paul)

Wenig überraschend ist, dass der Radverkehrsanteil in Lörrach mit 18% etwa doppelt so hoch sein dürfte wie im Ruhrgebiet, trotz der Lage in einem Schwarzwaldtal und den zugehörigen Hängen. Aber dort hat man sich auch Themen wie „Asphaltierung von Freizeitradwanderwegen“ und „Ampel-Vorrangschaltungen durch Induktionsschleifen“ angenommen. Auch gibt es z. B. am Rathaus deutlich mehr Fahrradständer als am Dortmunder Rathaus und der Fahrradstadtplan ist umsonst. Vieles an Infrastruktur für Rad- und Fußverkehr dort scheint in einem ähnlichen Zustand zu sein wie hier.

Man kann den Vorschlag auch einfach überflüssig finden, aber wenigstens eine unverbindliches „Danke für den Vorschlag“ hätte ich schon erwartet. Oder man hätte mir auch erklären können, warum das nicht geht.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

2 Gedanken zu „Wenn man grüne Farbe bekennen müsste, reicht es nicht mal für kalte Luft

  • 31.12.2015 um 11:42
    Permalink

    Selbst,

    wenn man nicht das Kleingeld für ein solches „System“ ausgeben möchte, eine Luftpumpe wie die Spezialiced Airtool kann man an ein Schloss anschliessen und allgemein verfügbar machen, Ersatzschlauch dazu, fertig. Kostenpunkt: Um die 100-200 EUR, je nach Schloß.

    Dazu ein paar vernünftige (!!!) Werkzeuge, auch noch einmal um die 100-200 EUR, fertig.

    Das Problem ist wie immer: Man muß es wollen. w-o-l-l-e-n! Damit exponiert man sich. Jaja, schonklar, für die Autofahrer macht sich so mancher gerne zum Volldeppen (siehe dein Post), aber wenn jetzt das Rathaus 500 EUR (!!!!) ausgibt für Radfahrer, das ist doch schon krasse Verschwendung! DO steht doch bestimmt unter Finanzaufsicht der Bezirksregierung, das kann man nicht rechtfertigen, da gibt es doch TINA (=there is no alternative, Margaret Thatcher)!

    Wir leben in Zeiten des Sachzwangs, da wird nicht mehr hinterfragt. Eine schöne Form der Entpolitisierung, die dem Publikum zumeist gut gefällt.

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