Planbefahrung: Ausbau B 54 und B 236 in Lünen

In Lünen wünscht man mehr Verkehr – laut Gutachten bis zu 2.000 Kfz/24h und damit über 5% mehr [fn]Dohmen, Richard/Funke-Akbiyik, Regina 2012: Verkehrsuntersuchung zum vierstreifigen Ausbau der B54 Lünen (B236 bis DB-Strecke). Ergebnisbericht; www.dortmund.de/media/p/stadtplanungs_und_bauordnungsamt/stadtplanung_bauordnung_downloads/verkehrsplanung/planfeststellungsverfahren/ausbau_b54_luenen/mappe_5/150303_B54_HV_Unterlage15A_Verkehrsuntersuchung.pdf Seite 16.[/fn]– und will deshalb die B 54 und die B 236 – die hier zusammen verlaufen – vierstreifig für den Kfz-Verkehr ausbauen lassen durch Straßen NRW.[fn]S. Drucksache Nr. 01944-15 der Stadt Dortmund.[/fn] Im Bundesverkehrswegeplan 2003 waren die Baukosten dafür auf 6,2 Mio. Euro geschätzt und das Projekt als vordringlicher Bedarf eingeordnet worden.[fn]S. Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Wohnungswesen 2003: Bundesverkehrswegeplan 2003; www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/VerkehrUndMobilitaet/Schiene/nordrhein-westfalen.pdf?__blob=publicationFile Seite 124.[/fn]  VeloCityRuhr hat die geplante Maßnahme befahren.

Die geplante Ausbaustrecke ist Teil der direkten Verbindung von Dortmund-Brechten nach Lünen-Mitte. Das Verfahren wurde am 13. 05. 2015 eingeleitet. Die Offenlage der Planunterlagen in den Städten Dortmund und Lünen war dann vom 27. 05.- 26. 06. Aktuell werden die Einwende bearbeitet.[fn]S. Bezirksregierung Arnsberg (Hg.) 2015: Übersicht über aktuelle Verfahren nach dem Bundesfernstraßengesetz; www.bezreg-arnsberg.nrw.de/themen/p/planfeststellungsverfahren_landes_kreisstrassen/aktuelle_verfahren.pdf Seite 2.[/fn]

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Ausbaustrecke B 54 und B 236 in Lünen

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Ausbaustrecke B 54 und B 236 in Lünen: 51.600000, 7.489758

 

Das Dortmunder Stück zwischen Brechten und dem Beginn der Ausbaumaßnahme ist nicht gerade radverkehrsfreundlich, denn es gibt nur Seitenstreifen, auf denen zudem östlich von Brechten LKW geparkt werden. Bei der Ortsbefahrung bestand für den VeloCityRuhr-Experten mehrfach Lebensgefahr aufgrund mit hoher Geschwindigkeit dicht an ihm vorbei beschleunigten Stahl-Elektro-Konglomerate. Aufgrund der geraden Führung lädt das Stück leider zum Rasen ein.

(Foto: Norbert Paul)
(Foto: Norbert Paul)

An der Kreuzung am Ausbaubeginn wird die Straße breiter.

(Foto: Norbert Paul)
(Foto: Norbert Paul)

Aktuell kann man auf dem Rad die Kreuzung auf der Fahrbahn überqueren und jenseits der Kreuzung auf den benutzungspflichtigen Radweg wechseln. Aufgrund des vorherigen Wegestücks werden hier nur geübte Radfahrer*innen unterwegs sein, für die das kein Problem ist. Aus Sicht des an einer roten Ampel wartenden Radverkehrs zeigt sich die Situation aktuell so:

(Foto: Norbert Paul)
(Foto: Norbert Paul)

Da hinter der Kreuzung ein benutzungspflichtiger Geh- und Radweg beginnt, ist es sinnvoll, auf die hintere Insel zu fahren, um so auf den Weg zu kommen. Dieser ist – siehe unten – so gut in Schuss, dass es sich nicht lohnt, auf der Fahrbahn oder dem Seitenstreifen zu fahren, auch wenn man dann eventuell nochmal an der Ampel auf der Mittelinsel halten muss. Warten muss man nur aufgrund des freien Rechtsabbiegers, auf den man hier zur Komplexitätsreduktion zum Nutzen aller Verkehrsteilnehmer*innen verzichten sollte. Er bleibt aber erhalten, so dass den bis zu fünf Ampeln für den Rad- und Fußverkehr beim Queren der Kreuzung genau immer einer für den Kfz-Verkehr gegenüber stehen. Wer hier Priorität hat, ist damit wohl eindeutig. Nur am Rande sei erwähnt, dass aktuell ausgerechnet die Fußverkehrsampel ein Radsymbol hatte, die man mit dem Rad nicht sinnvoll nutzen kann, weil man dann auf dem linksseitigen Schutzstreifen Richtung Brechten oder auf der für Radverkehr gesperrten B 236 Richtung Wambel weiterfahren würde.

Auszug aus der Anlage der Drucksache Nr. 01944-15 der Stadt Dortmund
Auszug aus der Anlage der Drucksache Nr. 01944-15 der Stadt Dortmund

Kurz zur Orientierung: Links auf der Karte geht es südwestlich Richtung Lünen-Brambauer (B 54), rechts geht es Richtung Lünen-Zentrum (B 54/B 236) und nach unten nach Kirchderne – Westfalenhütte (B 236). Neu geplant ist die Anbindung Richtung Nordwesten (in der Karte oben). Hier wird also eine neue Nebenfahrbahn enden, die man theoretisch auch nutzen könnte (siehe unten). Der Norden ist etwa Richtung der rechten oberen Ecke der Karte.

Die Stadt Dortmund hat als Trägerin öffentlicher Belange Stellung genommen bei der Öffentlichkeitsbeteiligung, da diese Kreuzung in Dortmund liegt:[fn]S. Anlage zur Drucksache Nr. 01944-15 der Stadt Dortmund.[/fn]

Vor dem Knoten Evinger Straße/ B236 aus Richtung Brechten kommend, beginnt der geplante F/R Weg auf der südöstlichen Fahrbahnseite am Mehrzweckstreifen der Evinger Straße. Der geplante einseitige Geh- und Radweg aus Richtung Brechten kann und wird im Zweirichtungsverkehr benutzt. Laut VwV-StVO ist am Anfang und am Ende linker Radwege eine sichere Querungsmöglichkeit der Fahrbahn zu schaffen. Alternativ kann auch ein F/R Weg am nordwestlichen Fahrbahnrand der Evinger Straße mit Anschluss an den Mehrzweckstreifen eingerichtet werden. Bei der Nutzung der Mehrzweckstreifen durch Fußgänger und Radfahrer ist ein Trennstreifen zur Fahrbahn einzurichten.

Wir vermuten, dass es um das kurze Stück geht, das den (benutzungspflichtigen) Geh- und Radweg über die Kreuzung vorzieht. Am Ende dieser wenigen 100 Meter muss dann der Radverkehr die Seite wechseln, um korrekt weiter fahren zu können. Warum – wie die Stadt sicherlich bei eigenen Maßnahmen argumentieren würde – die Querung aus Lünen kommend nicht schon an der Kreuzung erfolgen kann, erschließt sich uns nicht. Aber: Solange die Seitenstreifen ab/nach Brechten nicht zu Geh- und Radwegen  umgeflaggt werden, wird in Zukunft kaum jemand die paar Meter neuem Geh- und Radweg nutzen können. Für die mutigen Radfahrer*innen wird es sogar schlechter, weil diese mittels drei Inseln die Kreuzung überqueren müssen statt in einem Rutsch auf der Fahrbahn queren zu können.

Direkt im Anschluss an die Kreuzung ist dann  für ein kurzes Stück die Straße vierspurig Richtung Lünen. Parallel verläuft mit deutlichem Abstand ein geteerter und gut befahrbarer Geh- und Radweg. Aktuell ist der Abstand groß genug, so dass Radfahrer*innen nicht geblendet werden. Da der Abstand zwischen Fahrbahn und Geh- und Radweg bzw. Wirtschaftsweg deutlich geringer wird, ist entlang der Ausbaustrecke in Zukunft mit Blendungen zu rechnen, die ein Sicherheitsrisiko und einen Komfortverlust bedeuten.

(Foto: Norbert Paul)
(Foto: Norbert Paul)

Auf der anderen Seite ist auf diesem Abschnitt eine Verbindung für den Rad- und Fußverkehr vorgesehen. Von Lünen aus gesehen ist diese als Geh- und Radweg, dann eine Stichstraße zum Gasthof in der alten Poststation[fn]S. Westermann & Kraas GbR (Hg.) o. J.: Hotel; westermanns-restaurant.de/hotel.[/fn] und der  Reitanlage, dann wieder als Geh- und Radweg und zuletzt als Stichstraße von der der oben besprochenen Kreuzung aus zu einem Anlieger ausgeführt. Da Gasthof und Reithalle potenzielle Ziele sind, ist es sicherlich nicht falsch, dass man auf der nordwestlichen Seite der Straße mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen kann. Eine konstante Führung ist der Wechsel der Führungsformen nicht und es wird sich zeigen, wie weit es an Gasthof und Reithalle zu Konflikten kommt mit Autos. Da diese Strecke nur Erschließungsfunktion hat, sind die Anforderungen aus Sicht des Radverkehrs aber auch nicht so hoch wie bei der durchgehenden Verbindung auf der anderen Straßenseite. Um zu verhindern, dass es Anlieger an der Bundesstraße gibt mit ein- und ausfahren Fahrzeugen, baut man wohl die ca. 250 Meter lange südwestliche Strichstraße anstelle eines Geh- und Radweg. Verschwiegen werden darf nicht, dass man nur umständlich von der durchgängigen Verbindung auf der anderen Seite dort hin kommen wird.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

Ein Gedanke zu „Planbefahrung: Ausbau B 54 und B 236 in Lünen

  • 22.12.2015 um 15:27
    Permalink

    Auch wenn das hier nicht angezeigt wird, den Beitrag haben Norbert Paul und Fabian Menke zusammen ausgearbeitet.

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