UNO-Jahr des Lichts endet ohne Erleuchtung für Fußgänger!

logo_FussDie Generalkonferenz der UNESCO hat am am 20. Dezember 2013 für 2015 das Jahr das „Internationale Jahr des Lichts und der lichtbasierten Technologien 2015“ ausgerufen. Themen waren u. a. Lichtverschmutzung und das Sparen von Energie für Licht bzw. die Entwicklung von günstigen energieeffizienten Lichtquellen für Entwicklungsländer. Nach Ablauf des Jahres zieht FUSS e. V. eine negative Bilanz. Es sei geendet, ohne dass eine Diskussion darüber geführt wurde, ob unsere Städte und Dörfer noch zeitgemäß beleuchtet werden. In der heutigen Pressemitteilung heißt es:

Das von der UNESCO koordinierte Jahr des Lichts 2015 konnte nach Aussage von Bernd Herzog-Schlagk vom FUSS e.V. den notwendigen Wandel nicht einleiten: „Noch immer ist man in vielen Städten der Auffassung, dass Fahrspuren für den Autoverkehr oder gar Kfz-Abstellflächen hell beleuchtet werden müssen, während die Menschen am Straßenrand häufig in der Dunkelheit verbleiben.“
Darüber hinaus macht der Verband darauf aufmerksam, dass die Kreuzungen und Einmündungen sehr häufig nicht ausreichend ausgeleuchtet werden, um damit insbesondere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Senioren zu Fuß oder mit dem Rad zu schützen. Im letzten Jahr starben in Deutschland 523 Fußgängerinnen und Fußgänger im Straßenverkehr, davon mehr als jeder Dritte in den lichtschwachen Monaten November bis Januar. Es ist lange bekannt, dass die schlechte Ausleuchtung von Kreuzungen auch gerade mit Ampeln eine große Unfallquelle darstellt.
Die Fußgängerlobby aber fordert nicht mehr Licht in unseren Städten, sondern den gezielteren Einsatz von kostbarer Energie für Licht am richtigen Fleck. Insbesondere sollte im Rahmen von Förderprogrammen zur Energieeinsparung bei der Straßenbeleuchtung an die richtige Platzierung der Leuchten gedacht werden.
Motorisierte Fahrzeuge haben mittlerweile Beleuchtungsanlagen, die andere Verkehrsteilnehmer blenden. Hier fordert der FUSS e.V., so Herzog-Schlagk „eher eine Abrüstung statt noch grellere Lampen sowie Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung, damit die Autofahrer rechtzeitig reagieren können.“ Überdimensionierte Beleuchtungsmasten in Straßen sollten nach Ansicht des Verbandes ersetzt werden durch energiesparende Beleuchtungen der deutlich kleineren Flächen, die von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden. In Seitenstraßen würde es mitunter ausreichen, die Bogenlampen zu schwenken, das heißt weg von den abgestellten Fahrzeugen hin zum Gehweg. Darüber hinaus ist mehr Licht zur Verbesserung der sozialen Sicherheit auf bisher dunklen Wegen notwendig.

Die Probleme sind für den Radverkehr natürlich so ziemlich die gleichen.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

3 Gedanken zu „UNO-Jahr des Lichts endet ohne Erleuchtung für Fußgänger!

  • 21.12.2015 um 18:46
    Permalink

    Diese notwendige „Abrüstung“ wird es nicht geben. Statt dessen geht es in Richtung „Obliegenheitspflicht“ für Fußgänger (oder Radfahrer) sich mit Lametta zu behängen.

    So sieht der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) -anstelle der Gefährder- die Rad- und Fußlinge* in der Pflicht:
    http://www.dvr.de/aktuelles/sonst/2142.htm
    „Das Risiko mangelnder Sichtbarkeit im Straßenverkehr ist allgemein bekannt, dennoch ergreifen Fußgänger oder Radfahrer selten entsprechende Schutzmaßnahmen.“

    Leider dienen aktive und passive Beleuchtung der „Leichtigkeit des motorisierten Verkehrs“ – koste es, was es wolle! Ich wage zu bezweifeln, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern wird.

    *Begriffe gem. Wertschätzung von Fußgängern und Radfahrern durch diese KFZ-affine Institution gewählt.

    Antwort
    • 21.12.2015 um 23:24
      Permalink

      Immer das gleiche Muster: Vom Verhalten des Schädigers wird abgelenkt und es wird verharmlost, indem das Verhalten des Geschädigten zum Thema gemacht und kritisiert wird.

      Vorfahrtsverstoß eines Kfz-Führers? Der Geschädigte trug kein Styroporhütchen.

      Fehler eines Lkw-Fahrers beim Abbiegen? Der Geschädigte ließ sich auf ein „Kräftemessen“ mit dem Lkw ein (http://tinyurl.com/p9p2bo5)

      Pkw-Fahrer missachtet Rotlicht und fährt Jungen an? Der Geschädigte trug kein Lametta.

      Anderer Zusammenhang, gleiches Muster: Jemand wehrt sich, wenn notorische Falschparker Radwege unbenutzbar machen? Der Geschädigte ist ein Denunziant.

      Das ganze treibt zuweilen skurrile Blüten: http://tinyurl.com/q36h7ph
      Aber letztlich nur konsequent.

      Antwort
      • 22.12.2015 um 0:05
        Permalink

        Wenn man sich den letzten Link anguckt, kann man nur feststellen, dass die Polizei sehr erfolgreich war, oder nicht?

        Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.