Darf mein Hund neben mir laufen?

Symbolbild (Foto: Teemages; Lizenz: (CC BY-SA 4.0 via Wikimedia)
Symbolbild (Foto: Teemages; Lizenz: (CC BY-SA 4.0 via Wikimedia)

Manchmal werde ich Dinge gefragt, wo ich selber nachschauen muss. So eine Frage ist z. B. „Darf ich den Hund neben mit laufen lassen beim Radfahren auf der Fahrbahn oder haben die hupenden Autofahrer*innen Recht?“ heute Recht gehabt.

Hunde sind die einzigen Tiere, die man vom Fahrrad aus führen darf (StVO § 28 Abs. 1  Satz 41). Wenn der Verkehr mäßig ist und der Hund durch Zurufen und Zeichen geführt werden kann, so ist nach der VwV StVO2 i. d. R. nichts gegen einzuwenden. Ob ich den Hund auf der Fahrbahn oder auf dem Gehweg bzw. dem Seitenstreifen laufen lasse, ist damit nicht festgelegt. Hunde, die auf das Wort gehorchen, müssen grundsätzlich auf Straßen erst einmal nicht angeleint werden, soweit der Verkehr mäßig ist und es keinen Anlass dafür gibt. Die notwendigen Einwirkungsmöglichkeiten sind nicht absolut sondern von der Tierart und den Einzelumständen abhängig. Ein nicht  verkehrssicherer Hund ist an der Leine zu führen.3

Da StVO § 28 der Gefahrenabwehr dient und ein Schutzgesetz i. S. von BGB § 8234 ist5, darf man den Hund – die o. g. Voraussetzungen vorausgesetzt – also nur frei laufen lassen, wenn man wirklich sicher ist, dass der Hund auch in ungewohnten Situationen korrekt reagiert. Das Nicht-Anleinen ist also die zu begründende Abweichung und nicht die Anleinpflicht. Im Hinterkopf sollte man die haftungsrechtlichen Bestimmungen von BGB §§ 833 f.6 behalten.

Soweit keine verkehrsbezogene, ordnungsrechtliche Gründe zugrunde gelegt werden, können aber weitergehende örtliche, auf Landesrecht beruhende Vorschriften erlassen werden z. B. zum Schutz von Grünanlagen.7 LFoG § 2 Abs 3. schützt z. B. Tier und Pflanzenwelt8:

Wer den Wald betritt, hat sich so zu verhalten, daß die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes nicht gestört, der Wald nicht gefährdet, beschädigt oder verunreinigt […]. Im Wald dürfen Hunde außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden; dies gilt nicht für Jagdhunde im Rahmen jagdlicher Tätigkeiten sowie für Polizeihunde.

Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit nach LFoG § 70 Abs. 1 Nr.1.9

Nur zur Sicherheit: Andere Tiere wie Meerschweinchen oder Elefanten darf man hingegen nicht mit dem Rad führen.

Für verbindliche Auskünfte, die auch sich aus anderen Normen ergebende ergänzende Regelungen berücksichtigen, muss man einen Anwalt konsultieren.

Ergänzung aufgrund einer Nachfrage (16. 12. 2015 18:26): Die Befestigung der Leine darf keinen Unfall verursachen10, so dass es nicht sinnvoll ist, die Leine fest an den Lenker zu binden.

Ergänzung 10.08.2016 03:00:

Weitere Infos auch auf der Seite der Stadt Köln.

Ergänzung 25. 08. 2016 13:34
Bei Zeit Online greift man das Thema jetzt auch auf.

Ergänzung 19. 01. 2017 19:10

Aus Radfahrer*innensicht greift Zeit Online das Thema auf.

Ergänzung 17. 09. 2017 18:14

Die Stadtverwaltung Dortmund zum Thema: Drucksache Nr. 07817-17-E1

Der Landesjagdverband zum Thema auf seiner Webseite.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung.

Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

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