Radverkehrsförderung zu Lasten des Fußverkehrs in Dortmund

 

FUSS e. V. hat heute die Bezirksvertretung Hombruch angeschrieben, und gegen die Radverkehrsförderung (bzw. das was man in Dortmund dafür hält) zu Lasten des Fußverkehrs protestiert.  Da die Themen der BV leider für Dritte immer sehr spät einsehbar sind, konnten der Verein sich leider erst im Nachhinein zur Sitzung äußern.  Eine detaillierte Stellungnahme konnte nicht abgeben werden, da der zuständige Mitarbeiter in der Verwaltung im Urlaub ist und so keine genauen Maße in Erfahrung zu bringen waren.

Wir dokumentieren hier den eigentlichen Inhalt des Schreibens, als Anregung für eigene Schreiben. Die E-Mail-Adressen der Fraktionen/Mitglieder sind nicht frei auf der Stadtseite verfügbar, daher muss man eine E-Mail an bvst-hombruch //zu Hause bei//dortmund.de schreiben.

Als Fachverband für Fußverkehr möchten wir Sie darauf hinweisen, dass der aufgrund des Antrages erarbeitete Vorschlag  den grundsätzlichen politischen Zielen der Stadt Dortmund entgegensteht. Es wurde erst in diesem Jahr die Stelle eines Fahrrad- und Fußverkehrsbeauftragten eingerichtet, der unseres Kenntnisstandes nach das Konzept Nahmobilität 2.0 der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW umsetzen soll. Dortmund als langjähriges Mitglied der AGFS mit einem radfahrenden OB sollte auch bei der Berücksichtigung des nichtmotorisierten Verkehrs Vorbild für andere Städte sein und grundsätzlich Fußverkehr, Fahrradverkehr und motorisierten Verkehr gleichbedeutend nebeneinander betrachten, wie es in den Broschüren der AGFS aber auch von Seiten der Wissenschaft gefordert wird.

In der entsprechenden Broschüre der AGFS zur Nahmobilität 2.0 heißt es:

Die Eigenständigkeit des Fußverkehrsraums wird gesichert, sodass sowohl eine Fremdnutzung (z.B. Parken) als auch einschränkede Einbauten (Ampelmaste, Verkehrszeichen, Werbetafeln etc.) weitestgehend unterbleiben. Die Praxis vieler Kommunen, das Parken auf Bürgersteigen zumindest halbseitig zuzulassen, wird sukzessive wieder rückgängig gemacht. Hier sind neue Strategien und Konzepte zur Überwachung und Unterbringung des ruhenden Verkehrs erforderlich.

Gegen eine Förderung des Radverkehrs zu Lasten des Fußverkehrs sprechen wir uns deutlichst aus. Wir fordern Sie auf, den Lippenbekenntnissen Tat folgen zu lassen und die Verwaltung zu beauftragen, das Konzept nochmal dahingehend zu überarbeiten, dass die Förderung des Radverkehrs zu Lasten des ruhenden Kfz-Verkehrs erfolgen soll und nicht zu Lasten des Fußverkehrs.

Den Vorgang findet ihr unter: https://dosys01.digistadtdo.de/dosys/gremrech.nsf/TOPWEB/00174-15-E1 -> Hauptvorgang
Das Zitat aus der Broschüre findet ihr unter http://www.agfs-nrw.de/uploads/tx_ttproducts/datasheet/NM2.0_Broschuere_web_2015.pdf -> Seite 25

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

5 Gedanken zu „Radverkehrsförderung zu Lasten des Fußverkehrs in Dortmund

  • 20.09.2015 um 14:06
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    Hier in Münster wird seit Jahrzehnten Radförderung zu Lasten des Fußverkehrs betrieben. An die heilige Kuh Auto traut sich niemand heran.
    Das neueste Beispiel: an der Hüfferstraße wird demnächst ein gesamter Fußweg zum Radweg umgebaut.
    Zitat aus der Beschlussvorlage:
    „Laut der ERA (Ausgabe 2010) ist auf Grund der hohen Anzahl der Radfahrer und der geringen, vorhandenen Breite der Nebenanlagen, eine gemeinsame Führung mit dem Fußgänger ausgeschlossen. Daher wird auf der Nordseite zwischen der Badestraße und der Robert-Koch-Straße der Gehweg aufgehoben und die Breite dem Radweg zugeschlagen.“
    https://www.stadt-muenster.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2004038332&voselect=10095

    Die Spitzzenbelastung der Straße liegt übrigens lediglich bei 614 Kfz/ h, damit wären Mischverkehr lt. ERA Mischverkehr oder Radstreifen empfehlenswert. Besonders pikant: nebenan auf dem Schlossplatz finden -gerade an den Wochenenden) zahlreiche Großveranstaltungen statt. Der Fußweg wird benötigt (die der Planung berücksichtigte Zählung der Fußgänger wurde an einem Mittwoch durchgeführt).

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    • 21.09.2015 um 0:01
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      Solche Sonderfälle wie die regelmäßigen Großveranstaltungen zu berücksichtigen darf man gerne Planungsfehler nennen, wobei ich mir nie sicher bin, was die Planer*innen von den Plänen halten, die sie für die Politik, die die Entscheidung trifft, vorbereiten müsste. Wer mal Zeit hat, sollte sich bei soetwas nach IFG oder UIV mal die Vorstufen in den Akten angucken.

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  • 20.09.2015 um 15:30
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    Schritt 2: Hiermit fordern wir die Stadt auf, alle Gehwegfreigaben für den Radverkehr aufzuheben und die Fußgängerzone für sämtliche Verkehrsarten abzuriegeln, ähhhm ausgenommen ist natürlich mein Taxi…

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  • 05.10.2015 um 0:36
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    Hurra! Fußverkehr! Und dann brauchen Fußgänger ein Taxi, weil sie nicht wissen, wie sie nach Hause kommen sollen…
    Aus den ruhenden Kfz steigen eigentlich auch immer Fußgänger und eher keine Radfahrer.
    Nunja, es scheint, als wäre das Taxi selbst in den heiligsten Fußgängerzonen, in denen Radverkehr nix zu Suchen hat, eine weitgehend akzeptierte Verkehrsart. Zu Fuß Gehen? Ich dachte immer, Laufen sei etwas für Spinner ;-) Das mag im Ruhrgebiet anders sein.
    Hierr steht doch heutzutage offiziell in Protokollen als Aussagen von Behördenleitern, dass Masten ganz bewusst auf zu schmalen Gehwegen aufgestellt werden oder Begegnungsverkehre mit LKW auf Gehwegen abzuwickeln sind u.s.w.
    Außerdem besteht immer die Gefahr, dass Verkehrsplanende die Komplexität der Nahmobilität nicht überreißen wollen. Sie reduzieren die Nahmobilität und damit auch den Anspruch des Radverkehrs auf die Schleichkapazitäten des Fußverkehrs.
    Wenn Kfz auf den Gehwegen parken, ist das wesentlich günstiger als auf der Fahrbahn. Hier werden ganze Gehwege dem ruhenden Kfz-Verkehr zugeschlagen. Das ist nur ein wirkliches Problem für die jungen Radfahrer oder für diejenigen, die dafür, dass sie noch Kinder sein wollen, eigentlich ganz schön alt aussehen. (Hab ich neulich meinem gehwegradelnden Briefträger auch gesagt… ;-)

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