Neu: ADFC-VRR-Pendler-Faltrad

 v.l.: Luis Castrillo, VRR; Isabelle Klarenaar, ADFC NRW; Carsten Hutschenreuter, Planet of bikes; Jürgen Brunsing, Mitglied der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im VRR (foto: VRR)
v.l.: Luis Castrillo, VRR; Isabelle Klarenaar, ADFC NRW; Carsten Hutschenreuter, Planet of bikes; Jürgen Brunsing, Mitglied der Fraktion Bündnis90/Die Grünen im VRR (foto: VRR)

Nach den Skandalen hat der ADAC einen Neufindungsprozess angestoßen.In einem Interview1 erklärte Edda Müller, Mitglied im ADAC-Beirat, warum nicht alles, was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, langfristig gut ist, wenn man als unabhängiger Verbrauchervertreter ernst genommen werden möchte.

Produkte oder Dienstleistungen, die man testet, wie etwa Kindersitze oder Autoreifen, kann man nicht im Shop verkaufen. Andere, wie etwa eine Reiseversicherung, die der ADAC anbietet, kann er gegenüber der Öffentlichkeit nicht glaubwürdig testen. Eine Verquickung von Verbrauchertests und kommerziellem Interesse ist nicht seriös. […] Es klingt praktisch, vom ADAC geprüfte Produkte in der Geschäftsstelle kaufen zu können. Wenn man aber die Hintergründe durchschaut, ist eine solche Verquickung aus Sicht der Verbraucher sowie der Glaubwürdigkeit des ADAC sicher nicht wünschenswert.

Nach dem VRS2 und anderen Verkehrsverbünden konnte der ADFC nun auch den VRR für sein Kooperationsprojekt gewinnen. Das StVZO-kompatible Faltrad mit Gepäckträger kann man bei ausgewählten Händlern der Region zu vergünstigten Konditionen erwerben. 599,- Euro (statt 739,- Euro) kostet das Rad3.

Lesetip:

Zu der Frage, ob höherpreisige Räder besser sind als die Angebote beim Disccounter, gab es kürzlich eine interessante Diskussion im ADFC-Blog4.

Vor dem Hintergrund ist fraglich, wie neutral der ADFC noch über Falträder berichten kann, wenn er kontinuierlich mit dem Hersteller Tern zusammen arbeitet. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen des ADAC wäre es sicherlich bessser, wenn der ADFC nur die Verbünde berät, die dann selbst entscheiden, mit welchem Hersteller sie kooperieren. Aufgrund der dezentralen Struktur wird der Einfluss vor allem auf Bundes- und Landesebene von Bedeutung sein.

1 Kunz, Martin 2015: „Neue Clubmitglieder ohne Auto“ [Interview mit Edda Müller]; ADAC Motorwelt 6/2015; S. 54-56.
2 Schmidt,  Christoph 2015: Das ADFC-VRS-Faltrad ist da!; http://adfc-blog.de/2015/06/das-adfc-vrs-faltrad-ist-da (Veröffentlicht: 25. 06. 2015).
3 VRR (Hg.) o. J.: Mobilität im Handgepäck; http://www.vrr.de/faltrad.
4 s. http://adfc-blog.de/2015/06/das-aldi-klapprad-2015.

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

4 Gedanken zu „Neu: ADFC-VRR-Pendler-Faltrad

  • 20.08.2015 um 23:29
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    Danke für dieses positive Service-Beispiel. Dann müssen wir ja demnächst nicht mehr zur Radstation schlörren und haben in jeder Lebenslage ein Faltrad dabei.
    In der Lebenswelt des Alltagsradlers kommt es wohl vor, dass die Auswahl von Falträdern mit serienmäßiger NaDy-Beleuchtung mit den Herstellern Dahon, Riese&Müller oder Tern nahezu ausgeschöpft zu sein scheint. Wenn hier der moralische Zeigefinger erhoben wird, dann empfehle ich auch die Blickrichtung auf viele der hier nicht genannten Hersteller. Dass hier ein bestehendes Marketingkonzept in vielen praktischen Beispielen weit über den VRR hinaus aufzugehen scheint, ist nun wirklich nichts Neues. Es ist aber wahrscheinlich auch eine Frage von Preis/Leistung. Sollten sich Initiativen auftun, mit deren Zusammenarbeit neue Projekte im Bereich der praktikablen Verknüpfung von ÖPNV und Fahrrad realisiert werden, lese ich hier gern darüber, wie mit den neuen Serviceangeboten gefahren wird. Immer her damit ;-)

    Antwort
    • 21.08.2015 um 0:21
      Permalink

      In der Lebenswelt des Alltagsradlers kommt es wohl vor, dass die Auswahl von Falträdern mit serienmäßiger NaDy-Beleuchtung mit den Herstellern Dahon, Riese&Müller oder Tern nahezu ausgeschöpft zu sein scheint.

      Aus deiner Sicht oder aus Sicht der Alltagsradler?

      Wenn hier der moralische Zeigefinger erhoben wird, dann empfehle ich auch die Blickrichtung auf viele der hier nicht genannten Hersteller.

      Versteh ich in dem Zusammenhang nicht …

      Dass hier ein bestehendes Marketingkonzept in vielen praktischen Beispielen weit über den VRR hinaus aufzugehen scheint, ist nun wirklich nichts Neues

      Darum ging es mir auch nicht …

      Es ist aber wahrscheinlich auch eine Frage von Preis/Leistung.

      Für wen?

      Antwort
  • 21.08.2015 um 1:42
    Permalink

    Alltag erstreckt sich in der Regel auch bis zu Zeiten, in denen es draußen dunkel ist, oder ist der Mond von Wanne so hell, wenn sich die gelbe Sau versteckt? ;-)
    ich ging davon aus, dass es neben dem allgemeinen Wunsch nach Serviceangeboten und Bezahlbarkeit einen produktqualitativen Grund dafür geben muss, wenn ein Fahrradverband seine Objektivität in Sachen Verbraucherschutz möglicherweise durch einseitige Kooperation mit einem bestimmten Hersteller freiwillig auf’s Spiel setzt.
    Schätzungsweise weiß der Verbraucher aber ziemlich gut, wo er etwas für sein Geld bekommt. Und (das müssen wir hier nicht verschweigen) natürlich merkt er auch, wenn die Preise bei einem Hersteller innerhalb eines Jahres ganz diskret um mehrere hundert Euro steigen (z. B. siehe Tern. eLink D7i), oder? Andererseits ja ganz nett, wenn Gewinnspannen freiwillig offen gelegt werden. Und der Verbraucher weiß ja zumindest theoretisch, dass Niedrigpreise in der Regel nicht funktionieren, nimmt sie aber in Kauf, weil er in der Praxis Dinge kauft, die er kaum benutzt (300 km im Jahr?!). Oder ihm werden Dinge versprochen, die mit dem Produkt nichts zu tun haben. Schau dir mal Autowerbung an…
    Mal eine ganz andere These Nobert: Wenn wir nachhaltig handeln wollen, sollten wir alle ein zertifiziertes Discounterfahrrad kaufen und alle erdenklichen Gewährleistungsansprüche ausschöpfen. Dann würden die keine Gewinne mehr machen und komplett bzw. EU-weit vom Markt verschwinden.

    Antwort
    • 21.08.2015 um 4:12
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      https://www.youtube.com/watch?v=kxTIWeH3Xk4 *sing*

      Ah, ok. Du meinst, dass es da eh nicht viel Auswahl gibt.

      In den letzten Jahren sucht der ADFC ja sehr intensiv nach Partner für Mitglieder-Vorteilsangebote, um Mitglieder anzulocken, die nur deswegen kommen und gehen, wenn sie das Angebot nicht mehr brauchen. Wer weiß, ob die anderen Faltradhersteller Interesse an einer Kooperation hatten? Ein Qualitätsauszeichnung kann man daraus nicht herleiten. Das Gegenteil aber auch nicht.

      Preissteigerungen scheinen bei Rädern aber aktuell eher üblich zu sein.

      Lies mal den verlinkten Artikel im ADFC-Blog. Das ALDI-Faltrad soll gar nicht so schlecht sein.

      Mal eine ganz andere These Nobert: Wenn wir nachhaltig handeln wollen, sollten wir alle ein zertifiziertes Discounterfahrrad kaufen und alle erdenklichen Gewährleistungsansprüche ausschöpfen. Dann würden die keine Gewinne mehr machen und komplett bzw. EU-weit vom Markt verschwinden.

      Es könnte auch als große Nachfrage interpretiert werden, die man aber nur mit 50 oder 100 Euro mehr realisiert werden könnte.

      Antwort

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