Dorothee Bär vs. Fahrradhelm

(Foto BMVI)
(Foto BMVI)

Dorothee Bär, Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur,  ist z. Z. auf großer Werbetour für Fahrradhelme. Die Kampagne hat viel Spot hervorgerufen1 und verstanden habe ich die Botschaft „Die Saga geht weiter: Dank Helm“ bis heute nicht. Über die Kampagne sagt Hannes Leitlein, dass sie an die Empfehlung erinnere, Frauen sollten doch besser keine zu kurzen Röcke tragen2. Wenn man nun als Journalist darüber berichten möchte, ist das naheliegenste, den Bericht mit einem Bild von Dorothee Bär helmtragend auf dem Fahrrad zu bebildern. So ein Bild hat das BMVI aber nicht. Es gibt nur von Dorothee Bär Bilder mit Helm in der Hand. Das sieht doch irgendwie verdächtig danach aus, dass sie gar nicht Rad fährt. Auf ihrer Webseite findet man aber ein Einladung zu einer Wahlkreisradtour3, zu der auch der Konsum von Alkohol gehört:

Enden wird die Radtour beim Weinfest […], wo noch einmal ausgiebig Zeit für Gespräche und den ein oder anderen Schoppen sein wird.

Wenn man sich für Verkehrssicherheit einsetzt, ein eher ungünstiger Einfall, denn irgendwie müssen die Leute ja noch nach Hause kommen – mit dem Rad oder (leider) mit dem Rad auf/im Auto: Nicht ohne Grund werden die zulässigen Promillegrenzen im Verkehr immer weiter gesenkt, auch wenn bayrische Politiker wie der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein ein oder zwei Maß vor der Autofahrt für völlig in Ordnung findet4. Aber in Bayern gibt es mit dem münchener EX-OB Christian Ude auch einen Politiker, die den Untergang der bayrischen Kultur fürchten, wenn die Bedienungen nicht weiterhin ganz ohne Druck alle freiwillig ein tiefes Dekoletté zeigen dürfen5.

In ihrem Twitterprofil findet man dann doch noch ein Bild von ihr mit Helm – aber nicht auf dem Fahrrad (in der Mitte des Bildes links oben).

Der Helm sieht dabei verdächtig nach den Helmen aus, die an die Schüler verteilt wurden.

… um nur mal ein paar Posts bei Twitter zu zitieren. Ob da jemand gar keinen eigenen Fahrradhelm hat?

Norbert Paul

Der Verkehrsjournalist schreibt u. a. seit 2008 für Mobilogisch (ehemals Informationsdienst Verkehr). Von 2013 bis 2015 war er auch für den ADFC-Blog aktiv. Bei VeloCityRuhr schreibt er über Verkehrspolitik -planung, -recht und -forschung. Er ist berufenes Mitglied im Nahmobiliätsbeirat der Stadt Dortmund.

2 Gedanken zu „Dorothee Bär vs. Fahrradhelm

    • 17.08.2015 um 19:03
      Permalink

      Bei dem Beitrag stören mich ja direkt wieder Details, wie auf dem Gehweg fahrenden Radfahrer (am Ende) und das dass Fahrrad was für den Sommer sei (am Anfang). Und auch die Rechtslage zum Thema Promille und Radfahren wird nicht wirklich ausreichend detailliert dargestellt. Dafür ellenlange O-Töne ohne Relevanz.

      Dafür werden zu wenig Leute in dem Beitrag befragt, um sagen zu können, wie es die Forschung sieht.

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